Jubel zum Jubiläum
Fast tausend Gäste rocken den Ball der Nationen
Der ausführliche Bericht einer rauschenden Ballnacht
Aus der Dönerbude rechts dröhnen arabische Klänge, im Handyshop links wird lautstark verhandelt. Es riecht nach Bahnhof und Großstadt an diesem kalten Samstagabend mitten in München. Männer in Jeans und dunklen Jacken ziehen durch die Straßen oder stehen rauchend in Grüppchen zusammen. Dazwischen aber fallen immer wieder einzelne Paare auf: Damen in eleganten langen Kleidern, die unter dem Mantel hervorblitzen, ihre Begleiter mit Tanzschuh-Beuteln in der Hand. Sie haben nur ein Ziel: das Deutsche Theater, wo das Gelb-Schwarz-Casino (GSC) zum traditionellen Ball der Nationen lädt. Und zwar zum 75. Mal.
GSC-Vizepräsident Claus Brauner und Marco Masini führen die Gäste durch den glanzvollen Abend. Im hohen Theatersaal ist es voll: mit mehr als 950 Gästen reißt das GSC fast die Tausender-Marke! Tanz-Fans aus München wie aus dem Ausland freuen sich auf mitreißende Shows und natürlich darauf, selbst zu tanzen.
Sie werden nicht enttäuscht. „Wir holen einen echten Superstar auf die Bühne“, verspricht Claus Brauner gleich zu Beginn. Schon die ersten Klänge verraten: Tina Turner wird wieder lebendig, oder jedenfalls ihre Energie, ihre Power und ihr Charisma. Stephanie Götz und David Koglin zeigen ihre „Tina-Show“ zu einem Mix aus den Songs der Diva. Binnen Sekunden ziehen die Beiden das Publikum in ihren – und Tinas – Bann.
Damit stellen Steffi und David die Weichen für einen schwungvollen Abend mit Tanz auf höchstem Niveau. Elf Latein-Paare wollen sich den Europapokal holen. Das Publikum fiebert mit, klatscht, jubelt, unterstützt, wo es nur geht. Und zwar jedes Paar. Die Athleten können sich richtig austanzen und zeigen, was sie können. Am Ende werden Elena Salikhova und Charles-Guillaume Schmitt aus Frankreich ganz oben auf dem Treppchen stehen, flankiert von Anna Salita und Artur Balandin aus Deutschland sowie Stefani Ruseva und Robin Goldmann, die für Bulgarien aufs Parkett gegangen sind. Dass die beiden nicht nur selbst im GSC trainieren, sondern auch Kinderpaare unterrichten, sichert ihnen die besondere Sympathie der Lokalmatadore. Aber so, wie alle Paare strahlen, gibt es ohnehin nur Gewinner.
Die Standard-Sektion repräsentieren ganz große Könner: Die Weltmeister im Showtanz, Dimitri Kolobov und Signe Busk, begeistern mit Raffinesse und Eleganz. Mal schraubt Dima seine Dame bei Hebefiguren in die Höhe, mal gleiten die Beiden wie auf Butter dahin. „Ihr habt uns berührt“, sagt danach David Koglin, als er dem Paar ein Dankeschön überreicht. Der donnernde Applaus zeigt, dass er dem Publikum aus dem Herzen spricht. Hier schließt sich auch ein Kreis: David und Steffi, die viele GSC-Breitensport-Paare unterrichten, werden selbst von Dima und Signe trainiert. Einen Moment lang ist das vielbeschworene Ideal einer „Tanz-Familie“ unter all den Gästen im Saal spürbar.
Stichwort Tanz-Familie: Natürlich soll auch das Publikum in Schwung kommen. So gibt es immer wieder Gelegenheit, selbst zu tanzen. Sei es im großen Saal oder dem benachbarten Silbersaal mit seinem besonderen Ambiente. Zwischen so viel Standard und Latein zaubert Maikel Santana mit Salsa-Show und Workshop auch noch etwas afro-karibisches Flair ins Deutsche Theater. Krönender Abschluss ist die Münchner Française, die alle miteinander tanzen. Oder es unter Anleitung von Peter Simon jedenfalls versuchen. Bei viel Gelächter und ein paar harmanten Patzern zwischen den verhedderten Gliedmaßen liegen sich gelegentlich auch unbekannte Mittänzer in den Armen.
Weit nach Mitternacht – echte Fans tanzen bis um zwei – machen sich die Gäste auf den Heimweg. Gut gelaunt, ein bisschen verschwitzt und voller schöner Eindrücke!
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